Groningen-Fryslan

Eine Drei-Tage-Tour über den 1. Mai 2026. Der Startpunkt, die kleine Stadt Steenwijk, liegt noch so gerade eben in der Provinz  Overijssel, von dort aber geht es vor allem durch die Provinzen Groningen und Fryslan. Strecke: 254 km. Höhenmeter: 364 m (also quasi nichts).

Am ersten Tag fahre ich durch eine weite Heidelandschaft, die von Dolmen und anderen steinzeitlichen Relikten durchzogen ist. Mal huschen Wildpferde durchs Bild, mal Schafe, mal Rinder. Wanderer sind noch kaum unterwegs. Das wird sich sicher ändern, sobald die Heide zu blühen beginnt.

Besinders geschützt ist  das Gebiet  im Nationalpark Drents-Friese Wold an der Provinzgrenze von Fryslan und Drenthe. Seinen Namen hat er von einem großen geschlossenen Waldgebiet, das im 19. Jahrhundert inmitten der Heide angelegt wurde, um der kargen Landschaft wenigstens ein paar Erträge abzuringen.

Dörfer sind in dieser Gegend selten. Eines davon ist Appelscha. Es ist um 1827 entstanden, als Tausende von Arbeitern in die Region kamen, um das Land unter erbärmlichen Arbeits- und Lebensbedingungen urbar zu machen. Heute ist Appelscha aufgrund seiner Nähe zum Nationalpark ein beliebter Touristenort.

Die ganze Landschaft ist von Entwässerungskanälen durchzogen. Viele von ihnen werden von gut asphaltierten Radwegen flankiert. Mal führen sie durch einen Wald ...

... mal durch eine offene Landschaft, in der sich der Wind so richtig austoben kann.

Mein erstes Etappenziel ist Groningen, die "fahrradfreundlichsten Stadt der Welt". Mehr als 50 % aller Wege werden hier mit dem Rad zurückgelegt. Es gibt riesige Fahrradparkhäuser und sogar mit Nässesensoren ausgestattete Ampeln, die Radfahrern schneller grün geben, wenn es regnet.

Der Grote Markt ist nicht mit dem anderer niederländischer Städte vergleichbar. Denn Groningen wurde im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört.

Solche Fassaden haben  daher Seltenheitswert. Groningen ist heute eine moderne Universitätsstadt und das bedeutendste Wirtschaftszentrum in den nördlichen Niederlanden.

Weiter geht's zum Nationalpark Lauwersmeer. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Meeresbucht, die 1969 durch einen Deich von der Nordsee getrennt wurde und sich in der Folge zu einem artenreichen Brackgewässer entwickelt hat.

Der Lauwersooger Hafen ist vor allem wegen seiner Fährverbindung nach Schiermonnigkoog bekannt. Und für seine Fischrestaurants, von deren Terrassen man einen herrlichen Blick sowohl auf das Wattenmeer, als auch auf das Lauwersmeer hat.

Hier muss ich einfach eine Pause einlegen und mir eine Portion Kibbeling gönnen. Die in Backteig gewendeten Kabeljaustücke werden traditionell mit frietjes en knoflooksaus serviert. Lecker!

Dann geht es immer am Deich entlang in Richtung Westen. Ich habe Glück! Denn ausnahmsweise weht der Wind hier oben mal von Osten.

Zunächst ist Schiermonnigkoog zu erkennen, später dann auch Ameland.


Eng an den Deich schmiegen sich kleine Fischerdörfer. Dieses hier, Wierum, hatte eine bedeutende Fischereiflotte, bis ein Großteil der Boote in einem schweren Sturm 1893 zerstört wurde.

Im benachbarten Boddergat sind noch ein paar traditionelle Fischerhäuser erhalten.

Man schlief damals in schrankähnlichen Schlafkabinen, um Brennholz zu sparen und es dennoch warm zu haben.

Die beiden kennt jeder, der schon mal mit der Fähre nach Ameland übergesetzt ist. Sie stehen auf dem Deich und schauen hinüber zur Insel. "Warten auf Hochwasser" heißt die fünf Meter hohe Skulptur von Jan Ketelaar.


Das nächste Etappenziel: Dokkum. Hier bin ich bereits 2019 auf meiner Fryslan-Overijssel-Tour gewesen. Ein sehr schönes Städtchen.

Am dritten und letzten Tag kippt das Wetter leider etwas. Aber die Fahrradfähren sind verlässlich im Einsatz. Dreimal muss ich auf meiner Fahrt zurück nach Steenwijk von Ufer zu Ufer übersetzen.

Dann sind es noch ein paar lange Alleen und ich bin wieder zurück am Ausgangspunkt.

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